Waisenkinder in Ghana

Es gibt verschiedene Gründe für die hohe Anzahl von Waisenkindern in Ghana.
Insbesondere gehören diverse Krankheiten, mangelnde ärztliche Versorgung oder Naturkatastrophen zu den Verursachungsgründen. Zum anderen können sich viele Eltern die Ernährung und Schulbildung ihrer Kinder nicht leisten und es gibt auch kulturelle Gegebenheiten, die aus Kindern Halbwaisen machen.

Laut der Organisation „Volunteer in Africa“ gibt es in Ghana vier Unterscheidungsmerkmale von Waisenkindern. Das erste bezeichnet die ursprüngliche Definition von Waisenkindern, nämlich Kinder, welche beide Eltern durch Tod verloren haben. Das zweite Merkmal stellt Halbwaisen dar, Kinder, die einen Elternteil durch Tod verloren hat und der verbliebene Elternteil nicht fähig ist für das Kind zu sorgen, dar. Es gibt noch die Gruppe, welche Kinder, die von seinen unbekannten Eltern verbannt worden sind, beschreibt. Die letzte Klassifikation definiert ein Kind, welches noch beide Elternteile besitzt, diese aber nicht fähig sind, das Kind zu versorgen. Man spricht hierbei von Sozialwaisen.


Armut

 

Baba Ibrahim erklärt das Problem der vielen Kinder in Waisenhäusern, die noch verbleibende Elternteile haben wie gefolgt:


„The reason is simply, there are many poor families here in Ghana and so many parents cannot afford their children.”


(Der Grund dafür ist einfach, es gibt in Ghana viele arme Familien und viele Eltern können sich ihre Kinder nicht leisten)


Traditionelle Einflüsse

 

Es gibt eine traditionell bedingte Möglichkeit ein Waisenkind in Ghana zu werden.

Der ursprüngliche Betreuer des Waisenhauses in Guabuliga (Al Hazzan) hat diese wie folgt beschrieben:


„Your father can die even your mother too, and if your mother is alone, she can go to afar place to marry there…The new partner will not looking after her children at her new husband’s house. And even tough the mother,

maybe the mother has nothing to buy food or anything for the child. The second husband can not accept her children. The man has married her and when she delivers a new childthen he will accept it but not the children of her.”


(Dein Vater kann sterben ebenso wie deine Mutter. Wenn deine Mutter alleine ist kann diese zu einem weitentfernten Platz gehen, um dort zu heiraten...

Der neue Partner wird sich aber nicht um das Kind in seinem Haus kümmern. Nur das gemeinsame Kind wird er akzeptieren)


Doch diese Tradition wird nicht schon immer praktiziert. Alhazzan fügt hinzu, dass es früher kein Problem war, die Kinder mit in die neue Ehe zu nehmen. In der jetzigen Zeit ist es leider üblich und er erwähnt zusätzlich, dass diese kulturelle Sache mit Geldproblemen verbunden ist.

Es kommt auch vor, dass der neue Ehepartner einer Frau, die Familie des Vaters bittet, das Sorgerecht für das Kind zu übernehmen, da keine ausreichenden Geldmittel für die Erziehung des Kindes vorhanden sind. Meistens akzeptieren dies die väterlichen Verwanden nicht.

Außerdem erzählt Alhazzan, dass in der Polygynie (ein Mann darf mehrere Frauen heiraten), die im Islam weit verbreitet ist, oftmals die Erstfrauen, den neuen Partnerinnen des Mannes nicht erlauben, ihre Kinder mit in die Ehe zu nehmen.

Falls aber eine Frau stirbt, darf der Mann seine Kinder mit in die Ehe nehmen, die neue Partnerin wird diese akzeptieren.


Aberglaube als Grund

 

Baba Seidu, lokaler Direktor von BRAVEAURORA Ghana, macht auf ein anderes Problem, welches mit Waisen verbunden ist, aufmerksam. Er schreibt, dass in fast jeder ghanaischen Tradition Waisenkinder Außenseiter sind, da es in bestimmten Kulturen mit Hexerei und bösen Geistern verbunden ist und deswegen gescheut wird. Besonders in den Fällen bei den beide Elternteile vor dem Erwachsensein des Kindes sterben, machen uninformierte Personen das Kind für den Tod verantwortlich und bestrafen es mit Verbannung oder es bleibt und die Familienmitglieder beschimpfen das Kind und geben es auf. Ohne Hilfe heiraten die meisten dieser Kinder sehr jung, um sich finanziell abzusichern und eine Bezugsperson zu haben.

Laut Baba gibt es in der ghanaischen Gesellschaft nur sehr begrenzte Möglichkeiten für Waisenkinder in Ghana. Es gibt noch kein ausgereiftes Konzept für Pflegeunterbringungen der Kinder und Adoption ist sehr unüblich. In manchen Fällen kann das halbverwaiste Kind (falls es sich bei dem überlebenden Elternteil um den Vater handelt) bei ihm oder in der erweiterten Familie leben. Das Kind muss dann als Hilfe im Haushalt (bei Mädchen) oder auf der Farm der Familie (bei Jungen) mitarbeiten.


Informelles Gesetz im Norden Ghanas

 

Außerdem betont Baba Seidu, dass eine Veränderung des informellen traditionellen Gesetzes des Erbrechtes im Norden Ghanas wichtig wäre. Das Gestz ist sehr patriachalisch veranlagt und besagt, dass eine Witwe oder eine geschiedene Frau das Sorgerecht für ihre Kinder nich behalten darf und dieses an die väterliche Familie verlieren wird. Nur wenn der Vater oder seine Familienangehörigen der Frau explizit das Sorgerecht erneut zusprechen, kann das Kind wieder bei ihr wohnen.

In seinen Augen wäre das Kind bei der allein stehenden Mutter besser aufgehoben und er ist der Überzeugung, dass die Waisenkinder durch dieses Gesetzt unnötig leiden.

Im Süden ist das Erbrecht matriachalisch geprägt, dadurch bekommt Mutter das Sorgerecht nach der Scheidung oder Trennung oder dem Tod des Ehepartners zugesprochen.