Volunteer Business in Nordghana

BRAVEAURORA leistet Sensibilisierungsarbeit zum Thema "Volunteer-Business" und kämpft gegen das Geschäft mit Waisenkindern

BRAVEAURORA wird regelmäßig durch qualifizierte Ehrenamtliche bei der Projektarbeit vor Ort unterstützt, jedoch werden diese genau ausgewählt. Sie müssen eine benötigte Qualifikation mitbringen und bezahlen keinerlei Vermittlungsgebühren oder dergleichen. Dieses nachhaltige Konzept der Freiwilligenarbeit ist für die Projekte in Ghana überaus wertvoll, jedoch musste BRAVEAURORA in den letzten Jahren feststellen, dass sich in diesem Bereich ein neuer und sehr kritisch zu sehender Wirtschaftszweig des „Freiwilligentourismus“ gebildet hat. Ein Tourismusangebot für unqualifizierte Freiwillige wurde kreiert, dass die Annehmlichkeiten des Reisens mit dem guten Gefühl des Helfens verbindet und fatale Folgen in den Entwicklungsländern nach sich zieht!

BRAVEAURORA tritt klar gegen diesen Trend auf und leistet seit dem Jahr 2013 aktive Sensibilisierungsarbeit durch Workshops mit jungen Menschen, Vernetzung mit diversen Organisationen und Aufklärungsarbeit in Österreich und Ghana gegen dieses boomende Geschäft mit Freiwilligen – das besonders in Verbindung mit Waisenkindern der Verkaufsschlager ist!

 

Der Hintergrund:

 

Rund um den Wunsch zu helfen hat sich eine Industrie herausgebildet, die den boomenden Wirtschaftszweig des „Freiwilligentourismus“ hervorgebracht hat. Ein milliardenschweres Geschäft, das von kommerziellen Firmen dominiert und durch die weltweit steigende Nachfrage von Volunteers angetrieben wird.  Das Konzept der Freiwilligenarbeit wird mit jenem des Reisens verbunden und schafft ein populäres Produkt daraus.

Entwicklungszusammenarbeit und Erholungsurlaub werden verbunden: Im Kombi-Angebot kann man zuerst in der abgelegenen Dorfschule unterrichten und dann Badeurlaub machen, sich zwei Wochen um Waisenkinder kümmern und später auf Elefanten durch den Dschungel reiten.

Privatwirtschaftliche Firmen haben in der Vermittlung unqualifizierter Freiwilligenarbeit ein lukratives Betätigungsfeld gefunden, Hilfe kommerzialisiert und Sozialarbeit in Entwicklungsländern für jedermann möglich gemacht.

 „Gutes tun“, „der Welt etwas zurückgegen“, „sich sinnvoll betätigen“ – begründet werden die Freiwilligeneinsätze sehr ähnlich, ungeachtet der Herkunft, des Alters oder des beruflichen Hintergrunds der Freiwilligen.

Die Möglichkeiten in diversen Sozialprojekten mitzuarbeiten sind schier unbegrenzt, und sie stehen jedem offen. Vorausgesetzt, man bringt das nötige Kleingeld mit und zahlt hohe Vermittlungsgebühren an die Anbieter. Den Großteil des Geldes erhalten dabei die Vermittlungsorganisationen selbst, die zumeist in den Metropolen der westlichen Industrieländer beheimatet sind und ihre Produkte an eine zahlungskräftige Käuferschicht aus Europa, den Vereinigten Staaten und Australien verkaufen. In den Entwicklungsländern – und bei den Menschen, denen laut Werbebroschüren eigentlich geholfen werden sollte – verbleibt oft ein verschwindend kleiner Teil des Geldes.

 

Je eher das Produkt den Bedürfnissen der Kunden entspricht, desto größeren kommerziellen Erfolg verspricht es. Mit der Unterstützung kleiner, schutzbedürftiger Kinder hat die Industrie einen Bestseller gelandet. Der Verkaufsschlager „Hilfe für Kinder“ zieht Freiwillige an wie ein Magnet, und kein zweites Volunteering-Angebot erfreut sich so großer Popularität wie der Einsatz im Waisenhaus.

In Ghana kreieren internationale BesucherInnen mit ihrer Nachfrage nach schutzbedürftigen Kindern – und nach passiven Empfängern einer Hilfe, die auch die Qualifikationslosesten unter ihnen mit guten Gewissen leisten können – den Rahmen für die kontinuierliche Produktion von immer neuen Waisenkindern in immer neuen Waisenhäusern. Die Erwartungshaltung, die durch die konstante Nachfrage nach Freiwilligeneinsätzen in Waisenhäusern erschaffen wird und der finanzielle Druck und Belohnungsmechanismus, der mit ihr einhergeht, wirken bis tief in die Savanne und setzen selbst in den abgelegensten Dörfern einen zersetzenden Prozess in Gang.

Kinder werden aus ihren Familien heraus gerissen und in „künstliche“ Waisenhäuser gebracht, nur damit man Freiwillige empfangen kann, die mit sehr noblen Motiven armen Kindern in Afrika helfen wollen. Die meist jungen Menschen tun dies ohne zu hinterfragen, wem das Helfen im Schnelldurchlauf mehr bringt – den Menschen vor Ort oder den Freiwilligen selbst, die in ihrem Lebenslauf den obligatorischen Auslandsaufenthalt anführen können.

 

Hier eine interessante Sendung zum Thema "Abiturienten als Entwicklungshelfer: sinnlose Kurztrips ins Elend"!

 

 

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von Gut!

 

Wenn man einen Auslandsaufenthalt als Freiwilliger plant, sollte man sich folgende kritische Fragen stellen: 

 

- bringe ich durch meine Qualifikationen einen Mehrwert in das Projekt oder mache ich den Einsatz primär für die Aufwertung meines Lebenslaufes?

- muss ich einer Organisation Vermittlungsgebühren zahlen? wenn ja, wie hoch sind diese und für was wird das Geld verwendet?

- werben die Organisationen mit Waisenhäusern?

- wie nachhaltig sind die Projekte, in die Freiwillige vermittelt werden?

- braucht man eine Qualifikation als Freiwilliger oder kann man Entwicklungszusammenarbeit in diesen Projekten auch ohne jegliche Vorkenntnisse leisten?

- wie arbeiten die Partnerorganisationen vor Ort? sind es NGOs oder Privatpersonen, die die Projekte vor Ort managen?

- wie sieht die Begleitung während des Einsatzes aus? gibt es eine Einschulung für Volunteers? im Vorhinein in Österreich / vor Ort in Ghana?

 

Wenn DU an einem sinnvollen und nachhaltigen Einsatz in Ghana interessiert bist und demensprechende Qualifikationen mitbringst, gibt es hier nähere Informationen zu unseren Auslandseinsätzen.

 

Weiterführende Literatur:

- Jonnson, Cecilia: The Volunteers – From missionary organizations to volunteers travel agencies. Dissertation, Linnaeus University (2012)

- Maag et.al: Commercial VolunTourism. A modern industry. Scandinavian College of Travel and Tourism (2012)

- Hanna Voelkl: Where are the children? Orphanage volontourism in Ghana. In: Children, Youth and International Development”. Master Thesis, Brunel University (2013)

- Lauren Kascak &amp, Laura; Dasgupta, Sayantani: #InstagrammingAfrica: The Narcissism of Global Voluntourism (2014)

- Daniel Rössler: Das Gegenteil von gut... ist gut gemeint. Seifert Verlag (2015)